Beten – wie geht das?

Im Gespräch mit Menschen, die viele Fragen haben, erfahre ich, dass sie nach Antworten suchen, die ihnen niemand geben kann. Unsere moderne Welt hat durch ihren hektischen Rhythmus viele Spannungen aufgebaut, die eine große Herausforderung darstellen. Diese Gegebenheiten können schlecht rational bewältigt werden. Sie brauchen eine befreite und ausgewogene Lebenshaltung, die auch mit Hilfe des Gebetes gelernt werden kann.

Beim Thema Gebet werden wir mit einer weiteren tiefgehenden Ratlosigkeit konfrontiert. Es gibt viele Einwände gegen das Gebet. Bedeutet das Beten nicht etwa Flucht von der Verantwortung und dem Einsatz für die Welt? Rutsch der Mensch beim Beten nicht in eine kindliche Verhaltensweise? Als erwachsener Mensch sollte man doch in der Lage sein, seine Probleme nüchtern anzugehen und zu bewältigen, behauten so manche. Es gibt in der Tat solche Zerrformen. Doch was ist das Beten?

Im Blick auf das Neue Testament können wir erfahren, dass Jesus darin zu einem beständigen Gebet ermuntert. Er selbst praktizierte das tägliche Beten und an den Wendepunkten seiner Tätigkeit die vertiefte Gebetspraxis in der Einsamkeit. So wie dem Menschen Jesus ergeht es auch uns.

Ohne Gott als Grund und Ziel unseres Daseins wissen wir vieles im Leben nicht einzuordnen. Ob täglich kleine Sorgen, die ermüden und sich kräftezehrend im Alltag auswirken oder große Schicksalsschläge, denen wir hilflos begegnen – unser Leben ist voller Rätsel und Herausforderungen, die wir zu meistern haben. Intuitiv sucht der Mensch nach einem Gespräch mit Gott, also einer höheren Macht, um Licht und Klarheit in sein Leben zu bringen.

Das Gebet kann als Ausdruck der Sehnsucht des Menschen vor Gott verstanden werden. Wie mit einem Freund alles zur Sprache bringen und Hilfe erwarten. Der Mensch bleibt trotz des technischen Fortschrittes ein bedürftiges Geschöpf. Darum liegt es nahe, Gott um Hilfe zu bitten und die aktuelle Situation auf ihn hin und von ihm her zu verstehen versuchen.

Das Gebet ist somit das einzig realitätsgerechte Verhalten des Menschen, wie es der Katholische Erwachsenenkatechismus bezeichnet. Das Gebet bringt Ruhe, Frieden und Trost in das eigene Leben und bleibt hochaktuell.

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