In allem das Gute suchen

Das kleine Senfkorn wird zum großen Baum. Die Bibel spricht gerne von Gegensätzen, die unser Weltbild auf den Kopf stellen. So auch im Gleichnis vom Senfkorn. Es ist das kleinste aller Körner, wird es jedoch gesät, wächst es und wird zum großen Baum. Die Vögel des Himmels können darin nisten. Drei Evangelisten mit Namen  Markus, Matthäus und Lukas erzählen davon. Diese drei Versionen setzten unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte: ein ausgesprochen kleines Senfkorn und das beeindruckende Wachstumsergebnis.  Es geht jedenfalls nicht um eine Anleitung für Landwirtschaft oder absolut korrekte botanischen Aussagen, sonder um Wiederentdeckung der Hoffnung. Denn der Senfbaum wächst auch unter widrigen Bedingungen. Er bedarf nicht eines ausgesprochen guten Bodens.

Wie ist das bei uns? Unsere Familien, Wohngemeinschaften und unsere Arbeitsteams bilden so eine Art Nährboden für uns. Der Umgang miteinander und unsere Kommunikation wirken entscheidend auf unser Wohlbefinden. Doch manchmal wird es uns zu viel, wenn jeder seinen Senf dazu gibt. Die Geduld und das Wohlwollen sind schnell erschöpft. Die Worte des Paulus „Einer trage des anderen Last“ werden zur  Herausforderung. Es scheint leichter, dem schlechten Einfluss meiner Mitmenschen zu unterliegen als Wege des positiven Denkens zu beschreiten. Jedoch denken wir da an den Senfbaum, der sich unter widrigen Umweltbedingungen das Leben erkämpfen muss.  Auch der Blick auf das Wirken anderer  Persönlichkeit, wie Georg Matulaitis (1871-1923), Gründer der Eucharistinerinnen, kann ermuntern.

Als Bischof von Vilnius lädt Georg Matulaitis seine Zuhörer bei Vorträgen ein, „Alles mit wohlwollendem Blick anschauen, mehr das Gute als das Böse sehen.“ Er weist darauf hin, dass es keine verlorene Mühe ist, andere verstehen zu versuchen und ihnen mit Wohlwollen zu begegnen. Diese Haltung schenkt auch uns ein gutes und klares Auge, eine Leichtigkeit, die unserem Alltag zugute kommt. Natürlich können wir nicht schauend nichts sehen. Wir nehmen die Menschen wahr und reagieren mit Freude oder Ärger auf sie, betont er. Aber wenn wir ein offenes Auge für das Gute und Positive haben, dann wird sich auch der Ärger integrieren lassen.

Unsere positiven Versuche dürfen auch noch so klein wie ein Senfkorn sein, jedoch können wir darauf hoffen, dass Gott daraus etwas überraschend Großes wachsen lassen kann. „Ich kann alles in dem, der mich stärkt“, sagt Paulus. Das gegenseitige Vertrauen macht uns zu erstaunlichen Werken fähig. Aus dem kleinen positiven Gedanken wird ein großer Erfolg. So wie aus dem kleinen Senfkorn ein Baum.

„Gott hat uns ohne uns erschaffen, aber kann uns nicht ohne uns erretten“ schreibt  Augustinus. Damit sind auch wir eingeladen, uns auf die Entdeckung des positiven Miteinanders zu machen. Es geht dabei nicht um Friede, Freude, Eierkuchen, sondern um das Vertrauen zu sich selbst und zu meinen Mitmenschen. Im guten Miteinander wächst große Lebenskraft. Vor allem auch der Glaube daran, dass ich auf diesem Weg nicht allein bin. Der gute Gott, der sein Reich mit dem Wachsen eines Senfbaums aus einem winzigen Senfkorn vergleicht, geht mit. Er lässt Hoffnung und Trost wachsen: Trotz des bescheidenen Anfangs wird es schon gut gehen! Vertrauen wir darauf, dass Gott zu unserer Mühe seinen Senf dazu gibt.

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